Freizeitcamp Neuwerk
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50 Jahre Kinder- und Jugendcamp Neuwerk

 

Ein Zeltlager entsteht

 

Die Insel Neuwerk mit ihren rund 70 Einwohnern bildet in ihrer Abgeschlossenheit gerade für die Jugend die idealen Voraussetzungen für einen Ferien- oder Erholungsaufenthalt.

Abseits von all dem Trubel und Rummel, der heute an der Nord- und Ostsee und den ost- und nordfriesischen Inseln herrscht, ist Neuwerk wirklich eine Oase der Ruhe, in der die Zeit stillzustehen scheint. Von einmaliger Schönheit ist die Fahrt auf hohen Rädern durch das Watt von Cuxhaven-Duhnen nach Neuwerk.

Die riesigen Grün- und Wiesenflächen verleiten jedermann zu Spiel und Sport, von den ausgezeichneten Bademöglichkeiten ganz zu schweigen. Mit zu den schönsten Erinnerungen zählen die Wanderungen auf dem Gesundheitsteppich des Wattes. Dabei atmet man die klare, reine, staubfreie Luft, nach der man sich gerade in Salzgitter das ganze Jahr über sehnt.

Als Naturschutzgebiet regt die Insel an, sich mit der Tier- und Pflanzenwelt dieser Gegend zu beschäftigen. Etwa neun Kilometer von Neuwerk entfernt liegt die von Menschen unbewohnte Vogelinsel Scharhörn.“ (Auszug aus dem Bericht des Stadtjugendrings Salzgitter 1963).

 

Diese Beschreibung von Neuwerk könnte auch die Lehrer Alfred Wuttke aus Lichtenberg und Willi Blume aus Krähenriede schon 1958 bewogen haben, mit ihren Schulklassen auf Neuwerk zu zelten. 1961 kommt der „Jugendpflegeausschuss“ der Stadt Salzgitter nach der Besichtigung des Geländes zu dem Ergebnis, dass die Insel Neuwerk besonders gut für die Jugenderholungspflege geeignet ist, da sie kaum einen offiziellen Fremdenverkehr und die damit verbundenen Einschränkungen aufweist.

Anfang der sechziger Jahre besteht das Zeltlager aus einer Fläche von ca. 2.500 m² und einem Teil einer Baracke als Wirtschaftsgebäude, welches als Küche und bei schlechtem Wetter als Gemeinschaftsraum genutzt wird. Die angrenzende Fläche in gleicher Größe dient als Schweinestall und Lagerungsraum für Heu. Ein Wasserfass (600 Liter) dient zur Trinkwasserversorgung. Das Fass muss allerdings mit einem Wagen voller Kanister aus einem Reservoir für die Einheimischen, welches zwei bis dreimal im Jahr gefüllt wird, aus 600m Entfernung geholt werden. Gewaschen wird sich in der Regel vor dem Frühstück im Watt. Lebensmittel werden in Plastikkästen in Schränken verwahrt. Gekocht wird zu Anfang im Freien auf einem als Strandgut geborgenem Herd, das Heizmaterial wird am Strand gesucht. Das Essen wird bei gutem Wetter im Freien ein genommen. Die Stühle stammen aus alten Lagerbeständen der Schulen, die Tische sind aus einfachen Brettern zusammengenagelt und erwecken den Anschein, als ob sie jeden Moment zusammenbrechen würden und erscheinen kaum transportabel. Ein Raum für den Lagerverwalter oder für Krankheitsfälle existiert ebenso nicht wie Arzneimittel oder Materialien für Erste-Hilfe. In den fünf Großhauszelten mit 10 Plätzen und einigen Gruppenzelten mit je vier Plätzen ist kein fester Boden vorhanden, geschlafen wird auf Strohsäcken und mit Steppdecken. 1964 wird die Decke des Tagesraumes mit Dämmplatten versehen, um dem Raum die nötige Isolation und Wärme zu geben. In den Zelten wird Holzfußboden verlegt.

Die Verpflegung erfolgt von 1961 bis 1970 durch eine Einheit der Bundeswehr in Altenwalde erstmals im Rahmen einer NATO-Übung, wobei im Sommer 1961 Vertreter von NATO-Partnern aus Frankreich, England, Kanada und den USA die Insel per Hubschrauber besuchen, um sich einen Eindruck über die angesetzte Übung, das Bekochen der Ferienfreizeiten, zu verschaffen.

Da der Küchenwagen der Bundeswehr seiner Größe wegen weder mit einer Fähre noch mit einer Schute übergesetzt werden kann, stellt die Bundesmarine ein Landungsfahrzeug zur Verfügung, mit dem der Küchenwagen bei Ebbe über das Watt zum Feriencamp gebracht wird. 15 Soldaten stehen während der Ferientage als Küchenpersonal zur Verfügung.

Es existiert erstmals ein Fahrplan einer Schiffsverbindung zwischen Cuxhaven und Neuwerk (MS Christine, 1966-1987 „MS Nige Ooge“, ab 1987 „MS Flipper“), nachdem die Linie durch die Cuxhavener Seelotsen eingestellt worden war.

1966 werden vier neue Zelte, die dichter und haltbarer sind, angeschafft und die andere Hälfte der Baracke wird übernommen. Dort werden Küche, drei Räume für das Küchenpersonal und für Vorräte sowie ein Krankenzimmer und ein Raum für den Lagerverwalter eingerichtet.

Ab Juni 1968 wird die Insel Neuwerk über eine durch das Watt verlegte Trinkwasserleitung versorgt. Da das Zeltlager seit dem Bau der Trinkwasserleitung nicht mehr mit Oberflächenwasser versorgt wird, werden zwei Waschrinnen mit 11 Waschplätzen und vier Duschen installiert.

1973 erhält das Hauptgebäude einen Tagesraum mit 100 Plätzen, eine Küche mit Vorrats- und Abstellraum, ein Büro für die Lagerleitung, ein Isolierzimmer mit drei Betten, einen Schlafraum und eine Toilette für das Personal, Jungen- und Mädchenwaschraum mit je acht Plätzen und Warmwasserdusche sowie Jungen- und Mädchentoiletten mit Waschgelegenheit.

Bis 1975 verläuft vor den Zelten ein Graben, der mittels Bohlen überquert werden muss, um dann auf einem Trampelpfad zum Tagesheim zu gelangen.

1975 berichtet der Stadtjugendpfleger an den Jugendwohlfahrtsausschuss, „Das Jugendzeltlager auf der Insel Neuwerk ist zu einem wichtigen Bestandteil der Jugendpflegearbeit der Stadt Salzgitter geworden.“

1977 wird mit Walter Fischer ein Mietvertrag über das Erweiterungsgelände (1.740 m²) für das Zeltlager über 10 Jahre abgeschlossen.

Seit 1991 gibt es immer wieder Diskussionen über Weiterführung des Zeltlagers. Die Politik ist sich einig, dass die notwendige große Sanierung nur sinnvoll ist, wenn der Pachtvertrag, der 2003 endet, verlängert wird. Allen ist klar, dass das Zeltlager nach einer erfolgten Schließung für alle Kinder für immer verloren ist.

Verschiedene Unternehmen und deren MitarbeiterInnen aus Salzgitter und Braunschweig engagieren sich zum Teil bis heute mit Geld- und Sachspenden sowie Arbeitsleistungen für das Jugendcamp. Auch finden sich bis heute viele ehrenamtliche Helfer, die tatkräftig am Unterhalt und der Weiterentwicklung des Camps mitwirken, so dass das Jugendcamp heute mit jeder gut geführten modernen Jugendherberge mithalten kann.

1998 wird der Förderverein „Jugendcamp Neuwerk“ gegründet. Zweck des Vereins ist es, durch Mitgliedsbeiträge, das Einwerben von Spenden und durch Arbeitseinsätze zum Erhalt des Zeltlagers beizutragen.

2003 wird der Erbbaurechtsvertrag bis Ende 2017 mit einer Fläche von insgesamt 5.742 qm mit Thomas Fischer abgeschlossen.

In 50 Jahren Jugendcamp haben ca. 35.000 Besucherinnen und Besucher Unterkunft gefunden und das Inselleben genießen können.

Einst und jetzt

Abgesehen vom Signalhorn, hat sich am Tagesablauf im Zeltlager nicht all zu viel geändert. Das Aufräumen ist ebenso geblieben wie das tägliche Ballspiel, heute wird im Zeltlager gekickt, Volleyball gespielt und Basketbälle fliegen durch die Luft. Auch der Kampf der BetreuerInnen um die Zelt-/Platzordnung ist ebenso unvergänglich wie die Wanderung nach Scharhörn, der Besuch des Friedhofs der Namenlosen und das Lagerfeuer am letzten Abend, bei dem natürlich auch das Neuwerk-Lied gesungen wird. Allerdings müssen die Kinder und Jugendlichen kein Wasser mehr schleppen und auch das Duschen bzw. Waschen ist bequemer geworden, da man nicht mehr zur Morgenwäsche ins Watt laufen muss. Auch heute haben es die BetreuerInnen der Gruppen oft nicht leicht, die „Wasserscheuen“ zur Säuberung zu bewegen, oft muss am vorletzten oder letzten Tag sanfter Druck ausgeübt werden, damit die Zöglinge sauber zuhause ankommen. Immer noch ist der Inselkaufmann, liebevoll „Klein-Karstadt“ genannt, ein beliebter Anlaufpunkt in den Freistunden, um Postkarten, Getränke, Naschereien sowie allerlei sinnvollen oder unsinnigen Schnick-Schnack zu erwerben. Die Verpflegung wird heute in Dankesschreiben lobend erwähnt und mundet gerade nach einer langen Wattwanderung oder Wattbuddeln allen vorzüglich. Das heutige Verwalterehepaar Jörg und Angelika kümmert sich ganz toll um das Jugendcamp und seine Gäste. Das Gästebuch des Camps zeigt, wie wohl sich die Besucher bei ihnen fühlen und wie gern Besucher, die einmal im Camp Urlaub machten, immer wiederkommen.

 

 

 

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